Findet die Medienbranche im Crowdfunding ein neues Businessmodell?

Dies ist ein Gastbeitrag von Max Hemmo

Spätestens seit dem der Kinofilm «Stromberg – Der Film» eine Million Zuschauer in die Kinos lockte und somit die Auszahlung an die Gemeinschaft der Crowd-Investoren begann, wittert die Medienbranche im Crowdfunding und Crowdinvestment neue und attraktive Finanzierungsquellen.

Doch wie hoch ist das Risiko? Ein genauer Blick auf die Chancen und Risiken der Gemeinschaftsfinanzierung zeigt, für wen es sich lohnt und wer sich lieber mit traditionellen Finanzierungsformen befassen sollte.

Chancen

Die vom Schwarm finanzierten Filmprojekte sind prinzipiell unabhängig. Auf diese Weise generiert der Produzent liquide Mittel, die er nach eigenem Ermessen einsetzen kann. Es steigt der Eigenkapitalanteil. Ein weiterer Vorteil der Unabhängigkeit ist, dass ihm die inhaltlichen Einschränkungen der Sender oder Förderer erspart bleiben. Eine Idee kann vollständig nach eigenen Vorstellungen in der Kampagne beworben und realisiert werden. Ist diese erfolgreich, gewinnt man für den Vertrieb einen messbaren Marketingeffekt. Auf diese Art bekommen der kommerzielle DVD Vertrieb, das Boxoffice oder die Downloadzahlen einen frühen Schub. Aus dieser Masse an Unterstützenden ergibt sich ein weiterer Vorteil. Für die Verhandlungen mit Co-Produzenten oder Förderern lassen sich die hohen Klickzahlen und Unterstützende als ein überzeugendes Momentum nutzen. So gelang es der Firma Brainpool erst eine Million Eigenkapital zu generieren, um dann die Förderinstitutionen zu weiteren 2,3 Millionen Investitionen zu bewegen. Ein Druck, dem sich der oft elitäre Finanzierungsmarkt ein stückweit beugen muss.

Risiken

Das relevante Risiko ist der hohe Aufwand, der für eine erfolgreiche Kampagne betrieben werden muss. Denn je nach Finanzbedarf können schnell eine oder sogar zwei ganze Stellen für rund ein halbes Jahr gebunden werden. Dieser Einsatz muss sich rechnen und bereits in der Frühphase der Planung transparent aufgezeigt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt: Ideenklau. Ideen, die offen zugänglich im Web stehen, noch nicht umgesetzt sind, lassen sich schwer schützen. Scheitert die eigene Kampagne kann eine gute Idee von anderen aufgegriffen werden.

Oft wird auch die Arbeit im Nachgang zu den Kampagnen unterschätzt. 260 Unterstützende wollen zeitgerecht bedient werden. Die hier auftretenden Kosten werden oft nicht ausreichend berücksichtigt was zu Lasten des Projekts geht.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein Produzent im Moment einer Crowdfundingkampange eine Marketingabteilung beschäftigt. Diese kennt er sonst nur aus dem Verleih und Vertrieb. Hier betreten viele Neuland. Ebenso braucht es mindestens eine Person die netzafin ist. In den intensiven Phasen der Kampagne wird vorwiegend in sozialen Netzwerken kommuniziert. Spannend ist der Ansatz Inhalte zu stückeln. Mit der ersten Kampagne einen Teaser finanzieren lassen, in einer zweiten eine ganze Episode, Handlungsstrang, Kurzfilm oder den ersten Akt, um dann in der dritten Stufe weitere Finanzierungsbausteine zu hebeln. Fazit: Es bedarf ganzheitliche Konzepte die Marketing, Inhalte, Player und Märkte zusammenführt gedacht und bespielt werden.

In den vergangenen Monaten durfte ich einige Produzenten hinsichtlich der Entscheidung eine Crowdfunding Kampagne durchzuführen beraten. Dabei zeigen sich einige Trends. Für den Rucksackproduzenten, der ein bis zwei Projekte pro Jahr durchführt, ist Crowdfunding nur unter bestimmten Voraussetzungen zu empfehlen. Für Newcomer, Absolventen oder Quereinsteiger, sowie Stars oder Fachleute vom Film ist es hingegen einfacher. Denn auch hier zählt: Content ist King. Wer, wie im Falle von Brainpool mit «Stromberg», über eine starke Marke verfügt, hat gute Chancen die Risiken in den Griff zu bekommen und eine ordentliche Summe Startkapital am demokratischen Markt zu generieren. Und wer die starke Marke nicht hat, braucht Geduld, Zeit und Energie – etwas was vor allem Quereinsteigern oder Newcomern unterstellt wird.

Theoretisch kann es jede Idee am Markt schaffen. Was es braucht sind viele gute Ideen und etwas Wissen über die Zusammenhänge, Abhängigkeiten und eine ordentliche Portion Risikobereitschaft. Das letzte kann der deutschen Filmwirtschaft klar zugestanden werden!

Im Oktober bietet das Filmhaus Babelsberg wieder einen zweitätigen Workshop speziell für die Medienbranche an. Unter anderem sind folgende Punkte Thema: Businessmodell, Verträge, Co-Produktionen, Postproduktion mit der Crowd finanzieren, Strukturierung einer Kampgange, Schlüsselkontakte, Kosten, Werbung, Plattformen etc. Sie erhalten eine umfassende Checkliste, Datensammlungen und Kontaktlisten, um sofort Ihre eigene Kampagne starten zu können. Absolventen des Kurses können Ihre Erfolgsaussichten mit wenig Aufwand deutlich steigen.

Zum Autor und Trainer. Max Hemmo, Produzent und Hochschulentwickler bietet seit 2006 Kurse für Drittmittelakquise im Medienbereich an. Aktuell leitet er den Digitalen Campus der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Basel.

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